Volles Haus beim FAROS Investorentag Düsseldorf: Für die bewusst exklusiv und im kleinen Rahmen gehaltene Veranstaltung waren am 10. Juni insgesamt über 50 Gäste der Einladung des Investment Consultants gefolgt und fanden sich im Hyatt Regency am Düsseldorfer Hafen ein. Zu besprechen gab es einiges: Just am Tag zuvor hatte die EZB als Reaktion auf die historisch hohen Inflationsdaten eine lang ersehnte Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte verkündet, und mit der Mischung aus drohender Rezession, Lieferengpässen, dem Krieg in der Ukraine und dem weiterhin vorherrschenden Damoklesschwert Corona ergibt sich ein Marktumfeld, das wohl zu Recht schon lange nicht mehr als so herausfordernd bezeichnet wurde. All dies waren denn auch die Themen, die von hochwertigen Keynote-Speakern des Tages beleuchtet wurden.
Den Beginn machte Prof. Dr. Thomas Mayer, Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institute, der sich seit der Finanzkrise 2008/09 als immer wacher Mahner im finanz- und geldpolitischen Diskurs hervortut und in seinem Vortrag „Stagflation 2.0“ einen Bogen vom stagflationären Umfeld der USA in den 1970er Jahren bis heute spannte und erklärte, wie es zur Rückkehr des „Stagflationsgespenst“ kommen konnte. Weiter ging es mit Rudolf Scharping, Bundesminister a.D., ehem. SPD-Bundesvorsitzender und – als Vorstand und Gründer der RSBK AG – ausgewiesener China-Experte, der in seinem Vortrag „Asien und China: The Place to be oder Tanz mit dem Teufel?“ die wirtschaftlichen Verflechtungen und die heutige Bedeutung Chinas auf dem Weltmarkt nachzeichnete. Er erklärte eindrucksvoll, warum es sich eigentlich kein Industriestaat leisten kann, keine Geschäfte mit dem Reich der Mitte zu machen. Mit Hinblick auf den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine und die damit zusammenhängende Debatte, wie sich der Westen gegenüber anderen autoritären Staaten und vor allem China positionieren sollte, hatte er eine deutliche Bot-schaft im Gepäck: Wenn man – berechtigterweise – moralische Argumente zum Maßstab für erlaubten oder unerlaubten wirtschaftlichen Austausch machen will, dann doch bitte konsequent und auf alle Staaten angewendet, die diesen westlichen Vorstellungen nicht entsprechen – nicht erst dann, wenn folgenschwere Schritte wie der Russlands kein Wegsehen mehr erlauben.
© Tom Reindel, Fotografie
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Ausgehend vom schwierigen Marktumfeld zoomte dann Dr. Ulf Steenken, Referatsleiter Versicherungsaufsicht Nordrhein-Westfalen, in die institutionelle Kapitalanlage hinein und erklärte, inwieweit der Erlass seines Ministeriums zur Einführung einer Infrastrukturquote für berufsständische Versorgungswerke Vorbild für andere Bundesländer sein kann und wie die Behörde dabei konkret vorging. Dass ein Umdenken auch anderer Aufsichten angebracht ist, machten Moderator Paul Wessling und Wortmeldungen aus dem Publikum klar: Schließlich sei aufgrund kurzfristig auftretender Schocks wie Corona oder Ukraine-Krieg, aber auch längerfristig anhaltender Transformationsprozesse wie Klimawandel, Inflation, Energiewende und Digitalisierung mittlerweile nur noch sehr wenig planbar. Mehr Flexibilität und Agilität von Seiten der Aufsicht sei dringend notwendig. Den Abschluss des hochwertigen Referentenreigens bildete schließlich Prof. Dr. Herfried Münkler, einer der profiliertesten Politikwissenschaftler des Landes und mit seinem Forschungsschwerpunkt Theorie und Geschichte des Krieges aus der aktuellen Diskussion um Hintergründe und Folgen des russischen Angriffskrieges nicht mehr wegzudenken. Eindrucksvoll blickte Münkler gut 120 Jahre zurück und erklärte, wie die Schwarzmeerregion bereits seit dem frühen 20. Jahrhun-dert die „Wetterecke Europas“ bildet und Ausgangspunkt vieler Kriege und Konflikte war. Den Wohlstand westlicher Industrienationen sieht Münkler durch den Ukrainekrieg vorerst beendet – und egal, welche Strategie letztlich zur Beendigung dieses akuten Krieges gewählt wird: Wir müssen uns auf mehrere Jahre ständiger Konflikte und politischer Unruhen an der europäischen Ostgrenze und in den ehemaligen Staaten des Ostblocks einstellen.
Weiteres Highlight des Tages war die FAROS Shortlist Battle, ein Beauty Contest live, bei dem der Investment Consultant seinen Prozess der Managerauswahl live vorführte und damit Einblicke in einen Teilbereich seines täglichen Maschinenraums gab. Dabei pitchten drei bis dahin geheim gehaltene Asset Manager fünf Minuten lang ihre Strategie im Bereich Euro High Yield und erhielten im Nachgang ein detailliertes Feedback in Form der FAROS Analyse sowie ein live durchgeführtes Publikumsvoting. Im Anschluss stellten sich die drei Kandidaten nochmals einer kontrovers geführten Diskussion, moderiert durch Senior Investment Analyst Dr. Harald Eggerstedt. Nach diesen 1,5 Stunden Deep Dive in die Anforderungen und Spezifika institutioneller Portfolios kürte das Publikum in einem finalen Voting seinen Sieger. Nach Meinung der beteiligten Asset Manager und des institutionellen Publikums ein spannendes und innovatives Format, das nicht nur exzellente Manager im Bereich Euro High Yield vorstellte, sondern auf beeindruckende Weise auch die hohen Anforderungen von FAROS an die Managerauswahl und die qualitativ hochwertige Arbeit des Investment Consultants herausstellte.
Insgesamt ging so ein spannender und ereignisreicher Tag zu Ende, der durch hochwertige und absolut aktuelle Keynotes nicht nur das Zeitgeschehen und das Marktumfeld beleuchtete, sondern auch wertvolle Impulse zur täglichen Anlagepraxis bereithielt. Wir freuen uns auf das nächste Mal!